Blauer Vogel

Ich ertrinke im Schweigen
Wo ist das Ufer
Das Pendel der Uhr
Schlägt etwas tot
Unendlichkeit...
Du, blauer Vogel
Sitzt zwischen den kalten Wintergeäst
Bald wie Eis, bald wie Schneegesang
Wie grausam
Mich sein Schweigen trifft
Nichts, nichts ist wirklich so
Wie es scheint
Ich habe im Leben viel gelernt.
Eisvogel, du

Wo kann ich meinen Schmerz ertragen?
Das Leben ist wie eine Waagschale...

Du wirkst so verloren... Verloren und vergessen mit deiner Liebe, die du berührt hast, mit einem weissen Handschuh der Zerbrechlichkeit. Du wolltest besonders behutsam sein, aber es hat nichts genützt.Die Liebe hat dich verbrannt.
Und jetzt stehst du da und bist wie ein Krebs, der sich ein neues Häuschen suchen muss, weil sein altes zerbrochen im endlosen Ozean der gebrochenen Herzen verschollen ist.
So lange ist dein weicher Hinterleib nicht geschützt. Dann leben Krebse gefährlich. Du lebst gefährlich und zurückgezogen, wie ein Krebs von der Welt.
Wie willst du dich schützen? Als ich gestern zwischen Feldern lief, schien noch die Sonne und
wärmte mich. Vereinzelt hatte sich Eis in den Furchen der Felder gebildet. Als ich schliesslich mein Ziel, einen Fluss erreicht hatte, konnte ich noch lange die wärmenden Strahlen geniessen.
Bis schliesslich der Sonnenuntergang stattfand. Es ist eine perfekte Illusion.
Unser Auge sieht tatsächlich die Sonne untergehen. Du weißt selbst, wie Tag und Nacht wirklich entstehen.
Und dieser Stern, der den ganzen Tag für uns scheint, zaubert ein malerisches Bild .
Als ich schliesslich zurücklief, war es deutlich kälter geworden und jetzt peitschte auch der eisige Wind gnadenlos alles, was ihm in den Weg kam. Kein Schutz war da, der ihn abgefangen hätte.
Doch liegt nicht selbst darin etwas Besonderes? Aber es gab keinen Schutz...

Jaja, ich weiss. Es ist nicht leicht bei all dem Unfug in dieser Welt glücklich zu sein. Man kann so schwer vergessen, den Tod, das Elend, die Kriege, die Verletzungen und das Leid. Wenn man tiefer sieht, dann erwischt es einen viel schwerer. Man gräbt und gräbt hinein, stellt tausend Fragen und weiss so oft keine Antworten. Und warum meinst du zerbrechen gerade schaffende Menschen so oft daran?
Doch leben heisst auch das Schöne zu sehen. Das Wunderbare, dass wie wegweisende Sterne
vor uns liegt und uns Glück schenkt.
Du musst es nur sehen wollen. Komm, mach die Augen auf. Wirf diese grossen dicken Steine der Lasten einmal ab.
Fühle diese Liebe. Du bist zu verbittert. Du stehst vor einem Blumenkelch und fühlst nichts. Versuche dein Herz zu öffnen. Lass das Schöne und Kostbare hinein.
Sie machen dein Herz wieder weich, streicheln es, wo es noch weh tut.
Fühle dich, wie ein kleines Kind, dass da steht und staunt. Staune über diese Blüte.Siehst du, wieviel Liebe darin verborgen ist?
Es ist einfach da. Du brauchst nichts zu tun. Reine Wahrheit liegt vor dir. Unverdorben und unbestechlich. Diese Schönheit kann dich atemlos machen, wenn du sie entdeckst.
Atemlos kann man werden für das Leben. Es kann atemlos schön sein, wenn du es nur siehst.
Nachts ist alles still. Es ist beinah so, als wenn man völlig alleine wäre unter den Sternen. Du schaust hinauf in die Unendlichkeit und fragst dich wo die Grenzen sind. Und ich sage dir, dass es unendlich ist, aber in der Wissenschaft spricht man von unendlich und doch begrenzt. So ist das. Gibt es dir nicht den Anreiz es verstehen zu wollen?
Und wenn ich dir sage, dass es selbst von schon längst nicht mehr existierenden Sternen Licht gibt da oben?
Es gibt so viel zu staunen und zu wissen. Das Leben, mein Freund, ist wie eine Waagschale.
Was du selbst in die Schalen wirfst, wird dein Leben bemessen.

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Wenn Fische ersticken...

Wolkenkämme schieben sich über das blau -grüne Meer. Mit müden Augen schaut sie hinauf und dann hinüber übers Meer. Dicke Seufzer lassen ihren Körper innerlich erbeben. Was ist nur los? Hat denn nichts mehr einen Wert? Ist denn alles nur noch Schnelllebigkeit?
Ist nichts mehr wert, keine Freundschaft, keine Liebe, noch nicht einmal ein Wort? Warum wechseln wir denn Worte? Um uns eine schöne Welt zu malen, die nachher zusammenbricht, wie ein Kartenhaus? Anderes hatte sie von ihm gedacht. Das er erwachsener wäre. Zu seinen Worten steht und sie nicht einfach in Ungewissheit zurücklässt. Nur ein Wort, ein Anruf hätte genügt, damit sie sich keine Sorgen machte, damit sie wüsste woran sie war. Und plötzlich- von heute auf morgen war sie gestrichen aus seinem Leben.
So aber stand sie am Bahnhof und wartete vergeblich auf seine Rückkehr vom Urlaub aus dem Süden. Er hatte sie einfach versetzt.
"Liebeskummer... Liebeskummer. Mein Gott ausgerechnet ich? So ein Blödsinn!"
Melissa wirft einen Stein ins Wasser. Mit Wucht und mit einer gewissen Wut. Wut über sich, das Leben und über diesen blöden Herzschmerz. Aber noch mehr, weil sie an ihn geglaubt hatte, ihn vertraut hatte.
Sie zappelte an der Angel. Und sie verabscheute Angler! Wie qualvoll ersticken Fische!
Was sind das für Menschen, die sie auch noch einluden mitzuangeln und dabei zuzusehen? Kommen einfach und setzen sich, diese Angler.
Roh, roh, ist diese Gesellschaft. Denkt nicht in allen Richtungen, sondern meist nur in eine. Und in diesem Falle nur an ihren vollen Magen. " Tun Ihnen die Fische nicht leid?", fragte sie dann oft. Möchten sie ersticken oder dass man ihnen den Schädel einhaut? Als sie sich umdrehte, sagten die Angler diesmal: " Schade...". Sie konnte es nun mal nicht ertragen, wie diese Tiere an der Angel hingen, den Angelhaken im Maul und zappelnd um ihr Leben kämpften.
" Keine Rücksicht nehmen sie! Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass es Menschen gibt, denen so etwas zuwider ist? Ausserdem sind Sie nach mir an den Strand gekommen...", ruft sie noch und merkt wie ihr Magen knurrt. Ihr Magen ist leer. Wie konnte sie jetzt etwas herunterbekommen?
Sie läuft zurück durch die Dünen, entschliesst sich dann ins Café Malan zu gehen, welches direkt oberhalb der Theaterstrasse lag.
Elli war auch da. Natürlich konnte wohl jeder Melissas Kummer sehen. Und allem voran Elli.
Elli hatte schon viel erlebt in ihrem Leben. Ständiges auf und ab. Immer um die Existenz kämpfend. Das hatte sie rauh aber herzlich gemacht und Melissa mochte sie sehr.
" Was ist das denn für ein Gesicht?"
" Ich bin in eine unsensible Gesellschaft geboren, Elli! Und ich bin ein Fisch an der Angel, der zu ersticken droht an diesem Blödsinn Liebe!"
" Ach was... du bist noch so jung. Findest einen anderen, mein Kleines."
" Nein, Elli... ich habe die Nase voll. Wie soll jemand diese Männer verstehen? Mal hü, mal hott und dann bricht's einem das Herz!"
Elli setzt sich näher an Melissa. Der Holzboden quietscht unter dem Ruck des Stuhles. Die weisse Tischdecke rutscht mit ihrem aufgelehnten Arm etwas zur Seite, so dass sich Falten bilden.
" Du wirst sehen, alles wird gut."
" Mein Gott, warum raucht denn hier jeder? Das ist ja schrecklich. Elli, ich bin heute überhaupt nicht freundlich und nett, sondern ziemlich daneben! Und ich sage dir, dass mich dieser Rauch anekelt."
" Ach was... Jaja, so kenne ich dich ja auch überhaupt nicht. Armes Ding!"
" Ich liebe ihn..."
" Das sieht man... Liebeskummer ist immer schrecklich. Jaja, als ich noch jung war..."
Melissa winkt der Bedienung zu.
" Früher kam der mal von alleine..."
Sie bestellt sich und Elli einen Kaffee.
" Ach weißt du, Elli. Er war einmalig. Mit ihm konnte man streiten, lieben und sich wirklich unterhalten. Ich mochte alles an ihm. Und wenn zwei Dickköpfe sich lieben, dann ist es meist was Ernstes. Aber ich bin ihm noch nicht mal ein Wort oder ein Telefongespräch wert! Und dabei bin ich vor Sorge umgekommen. Hätte ja sonstwas passiert sein können. Aber er fragt nicht mal wie es mir geht. Und seine Blumen würde ich ihm, wenn er jetzt hier wäre, in seine Schuhe drücken. Basta! Wenn er jetzt hier wäre... ich würde...ich würde..."
Lustlos rührt sie im Kaffee herum.
" Verflixt... Ich kann denken, was ich will. Ich könnte ihm ja nicht mal wirklich ein böses Wort. Elli, sag mir was ich tun soll? So geht das doch nicht weiter."
" Kleines, aller Liebeskummer geht irgendwann vorbei."
Elli zupft sich an ihren blonden Haaren herum und nimmt einen riesigen, schlürfenden Schluck Kaffee. Es klingt so laut, dass es Melissa peinlich ist.
" Mach ihm eine Szene! Rede mit ihm..."
" Das hat er nicht verdient. Männer muss man verstehen lernen. Hysterische Frauen sind mir zuwider, wie zappelnde Fische am Angelhaken. Nein, nein, Elli..."
Melissa schnippst unbewusst immer wieder ein kleines Papierknäuel von Tischkante zu Tischkante. Als es ihr bewusst wird, schämt sie sich.
" Ausserdem laufe ich niemandem hinterher, wenn er nicht will, dann eben nicht! Ich muss jetzt los, Elli. Bis bald. Und grüss deine Kinder von mir."

Sie findet in jener Nacht kaum Schlaf. Immer wieder quälen sie die vielen Fragen.
Warum hatte er gelogen? Würde sie ihn je wiedersehen? War sie ihm so wenig wert, dass er noch nicht einmal wissen wollte, wie es ihr ging?
War ein gemeinsam empfundenes Gefühl jetzt nur noch Asche wert?

Als sie schliesslich doch einschläft, träumt sie, sie sei am Angelhaken erstickt.
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81 Jahre. Ich schick euch wieder ein Paket mit Kuchen

Ach ja, noch mal jung sein. Wie spät ist es? Es muss doch gegen 5 Uhr sein. Wieder viel zu viel nachgedacht. Keinen Schlaf gefunden. Wenn man alt ist, braucht man wenig Schlaf. Man macht eh bald die Augen zu.
Man hat so viel Zeit und versucht sie totzuschlagen, irgendwie. Morgen könnte es schon vorbei sein.
Ob ich die Kinder noch mal sehe? Ach ja, ich werd sie wohl erst am Grab sehen.
Sagen immer, ich könnte ja mal mit dem Zug kommen, mit dem Auto wäre es zu teuer. Ach ja. Ich mit meinen 80 Jahren und meinen Rückenschmerzen. Und wer soll sich denn um Mausi kümmern? Mausi, meine Gute. Na komm mal her!
Bist auch schon eine Oma. Du brave, gute Seele.
Dein Fell ist schon glanzlos, so wie meine Haare. Jaja, wenn man alt wird, da wartet man nur noch auf den Tod.
Die Knochen tun weh und man vergisst so viel. Kann nicht mehr so, wie man will.
Ins Heim wollte ich nicht. Die Kinder dachten es wäre besser so. Sie haben immer so viel zu tun. Schön wäre es, könnte ich bei ihnen im grossen Haus wohnen. Eine Dachkammer würde mir auch reichen. Kann sowieso nicht mehr so gut gehen. Aber eines Tages werde ich wohl müssen. Oder ich sterbe zu Hause. Das ist mir lieber. Das Sterben kann lange dauern oder kurz. Der Hans, mein Mann, hat sich lange gequält. Damals. Hatte es so mit dem Herzen.
Die Erika, meine ehemalige Nachbarin, starb vor 15 Jahren im Heim. War noch nicht mal so alt. Gerade mal 61. Alzheimer.
Immer weiter zerfiel sie. Hatte kein Zeitgefühl mehr. Stand mitten in der Nacht auf und dachte es wäre Tag.
Habe sie manchmal besucht. Diese leeren Gesichter in den Betten... Dieses Stöhnen der Sterbenden. Wenn Fütterungszeit war, wollten manche nichts mehr trinken oder essen. Aber sie mussten. Man hat ihnen die Schnabeltassen in den Mund geschoben, ihnen mit den Tropf gedroht.
Ich habe das gesehen, als ich Erika einmal zu spät aus dem Park zurückbrachte.

Sonnenschein, Sommer!
Sie sassen in Reih und Glied am Eingang des Altenheimes auf den Stühlen oder im Rollstuhl. Freuten sich die Sonne von weitem zu sehen. Manche warteten auf Besuch, aber es kam nie welcher. Und dann sagten sie meist: " Ach lassen Sie mal. Sie kommen nächstes Wochenende. Meine Familie, meine Kinder und Enkelkinder!"
Doch sie kamen nie. Erst als sie gestorben waren, man sie hinunter in die Kapelle gefahren hatte. Gewaschen, schöngemacht, mit einem Blumenstrauß in den übereinandergelegten Händen. Kalt war es da unten. So kalt wie ihre letzten Jahre. Ich hoffe ich sterbe vorher, damit ich nicht ins Altenheim muss.
Er wird mich schon holen kommen. Wer weiss wann.
Einmal in der Woche kommt der Doktor und schaut nach mir. Da hab ich jemanden zum Reden... Bevor ich sterbe. Meine Kinder. Eure Mutter hat bald Geburtstag. 81 Jahre. Ich schick euch wieder ein Paket mit Kuchen. Dann braucht ihr euch keine Mühe machen zu kommen. Grüsst meine Enkelkinder.

Copyright by Birgit Marie Nessel 2003
Es ist vorbei

Ich schau auf mein Herz
Auf deine letzte feingeschnittene
Rose darin
Für mich
Sie lebt noch, liegt im Sterben
Noch nie konnte ich abgeschnittene
Blumen leiden
Die Freude geben sollen
Und doch schon tot sind

Du hast meine Herzkammern
Vollgestopft mit deiner Eitelkeit

warst in meinem grossem und kleinem
Kreislauf
128 Pulsschläge in der Minute
Kreislaufzusammenbruch
unserer Liebe

Es war dir egal

Kontrastaufnahme meiner Liebe zu dir
...

Kammerflimmern
Schau auf den Monitor






Reanimiere diese Liebe nicht
Stiller Wind

Still
Deine Worte kräuseln
Sich im Niedergang
Meines Herzens
Windstille
Nur das Flüstern deiner Lippen
Hängt über dem Vielleicht

Du willst
Dass ich nicht weiter segle
Nimmst mir den Wind
Willst mich festhalten
" geh nicht fort von hier..."

war ich denn jemals da?

es gibt keinen Hafen für mich

ich komme niemals an
auf meinem Weg
des Lebens


Fieber in der fremden Stadt

Überall seh' ich noch dein Gesicht
Lauf durch die Strassen
Neonröhren in meinen Augen
Sehnsucht nach dir
Bin auf der Flucht vor der Entgültigkeit
Scheinwerferlicht an den Wänden
Schattenspiele der Gesichter
Maskenbälle der Gefühle
Irrtum und Qual in mir
Sehnsucht nach dir
Ich kann nicht schreien
Kann nicht ruhen
Kann dir nur verzeihen
Regentropfen in meinem Gesicht
Ich schwöre es ist nur der Regen
Ich weine nicht
Spür noch deine Wärme
Seh' noch dein Lächeln
Rote Leuchtreklamen
Büros, Geschäfte

Irgendwoher Musik
Fieber in der Stadt
Dieser fremden Stadt

In Gedanken an dich
Laufe ich
Durch unsere verlorene Liebe
zurück
Copyright by Birgit Marie Nessel