
Nachts, über den Dächern der Städte...
Wenn du durch das Dunkel der Nacht über die Dächer einer Stadt siehst und die staubig, trockene Luft einatmest, dann weißt du oft nicht, ob du gerade noch lebst oder nur so existierst, denn unten auf den Strassen leuchten hunderte kleine Lichter und sie haben so etwas Vergängliches.So etwas Fernes. Hineingeworfen von den vorbeirasenden Autos. Hingeworfen zu einem Bild auf einer realen Leinwand.Die Nacht ist so schwarz und das Leben so verdammt schnell vorbei, wenn du nicht aufpasst. Diese Lichter unten auf den Strassen wirken wie fern. Fern, weil du meinst gar nicht eingebunden zu sein, wenn du da oben sitzt oder stehst und hinunter schaust von den Dächern und du trotzdem weißt, dass du dazu gehörst...zur Nacht, zu den Strassen und Lichtern. Trotzdem bist du in diesen Momenten so unendlich weit weg, weil du eine andere Sichtperspektive hast.Du fragst dich, warum all diese Menschen mitten in der Nacht unterwegs sind. Was für Geschichten darüber zu berichten wären. Wieviel Glück, Unglück und weiss Gott noch was damit zusammen hängt. Aber auch wieviel Bedeutungslosigkeit diese Lichter haben, weil sie beliebig ein und ausgeschalten werden können. Über den Dächern der Städte hängt manchmal der Geruch veratmeter Lieben. Lieben, die aus tausend Momenten bestanden, sie zu sagen, zu schreiben oder ganz und gar zu leben, jedoch niemals dahin fanden, wo sie hinwollten- zu den Körpern, Herzen und in die Köpfe. Sie wurden niemals ausgelebt, hatten niemals spüren können, wie es sich anfühlt zurück geliebt zu werden. Hatten nie erfahren, wie es ist, verliebte, umschlungene Haut zu spüren. Lernten nie den Puls der Erfüllung kennen. Nach diesen Lieben roch manchmal die Nacht. Besonders dann, wenn sich so eine verlorene Seele durch die Nacht schlug. Männer oder Frauen, die sich an solch eine Liebe geklammert hatten, die meinten irgendwann würde sie leben-ihre Liebe.Diese Hoffnung es könnte vielleicht doch ...
Und dann eines Tages waren diese Gefühle nicht mehr da...waren veratmet, verbraucht, lagen nun über den Dächern der Städte und rochen süsslich, bitter.... Die Zeit hatte sie aufgefressen in ihrer unaufhörlichen Bewegung.Dann waren sie nur noch ein Bild im Kopf.
Noch immer wirbelt der Staub durch die Strassen, und wenn man genau hinhört, kann man verschiedene Melodien durch die Nacht ziehen hören. Spielt da etwa gerade das Improvisationsgenie Keith Jarrett? Schliess die Augen...doch tatsächlich, man kann ihn hören. Und diese Musik passt zu solchen Nächten. Da übergiessen sich diese Töne über die Menschen und Häuser, über die Strassen und Autos, über die Dächer bis zum nächsten Morgen und alles wird zu einem realen Theaterstück hineingeflochten in sein Musik. Dieses Theaterstück improvisiert sich selber, es schreibt sich auch allein- jeden Tag, jede Stunde und jede Nacht.Es schreibt sich aus dem Leben heraus,immer wieder neu und doch voller gewohnter Vorgänge. Jede Nacht über den Dächern der Städte...
Ein Glück, dass jeder Mensch so einige Lieben entwickeln kann.
(C)B.M.N.,2007