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Schneeherz

Kalt weht mir der Wind herüber. Wenn du doch da wärst. Aber alles um mich bleibt kalt. Ich laufe über die kleine Holzbrücke, lege meine Hände auf ein paar kleine Schneehäufchen, die sich auf der Brüstung erhalten haben und schaue in einen kleinen Bach, der sich hindurch schlängelt. Einzelne Äste der Trauerweiden hängen hinein in das jetzt kühle Wasser. Alte Bäume ächzen furchtsam, so als wollten sie den Winter bitten sie mit seiner Kälte zu verschonen. Den kleinen Feldweg weiter laufend sehe ich Krähen krächzend auf einem durch Blitz und Sturm geteilten Baum sitzen. Ein schauriges Bild, irgendwie. Daneben steht ein verwilderter Apfelbaum. Ein alter erfrorener, kleiner Apfel hängt noch an einem der Zweige. Stille nun. Die Krähen schweigen. Nur das Lied der Bäume kann ich vernehmen. Langsamen
Schrittes nähere ich mich dem See.
Nun stehe ich fast am Wasser. Sehe schon das Glitzern der Wintersonne und einen Schwan, der langsam und bedächtig heran schwimmt. Wir schauen uns beide an.

Schweigender Schwan, dein Antlitz glänzt im blaugetünchten See wie ein Kleid der Jahreswechsel.
Deine Augen, schwarz, sehen mich an und tragen Fragen in sich. Du hebst deinen Hals auf und nieder- so als würdest du mich fragen wo deine Liebe blieb. Dein Herz ist suchend nach ihrem. Und ich sehe mitleidig in deine Augen. Diese dunklen Diamanten. Was sehen sie Tag für Tag? Und kann ich dir in Gedanken verschweigen was ich sah?
Dein Herz wird weiter suchen, denn nie mehr wird sie kommen und ihren Hals an deinen legen und ihr werdet nie mehr eure Liebe zeigen können, weil ihr Herz nicht mehr schlägt. Menschen können grausam sein.
Schneeherz, so nannte ich ihn - und Eisblumentränen liefen mir über die Wange, als er wegschwamm.

 

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