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| |  Die Nacht der weißen Wölfe
Die Hütte in der Einsamkeit
Es ist kalt. Der Schnee knistert unter meinen sich schwer anfühlenden Schuhen. Schwer, wie ein Magnet brechen sie jedes Mal von neuem in die weiße Welt am Boden. Ich nehme dieses Geräusch, dieses Knistern immer wieder neu wahr. Es gefällt mir. Es schneit. Eine eigene kleine Welt entsteht in der Luft. Die Kristalle zerschneiden die Trübheit des Vergangenen. Ich will zur Hütte im Wald. Wieder einmal suche ich die Einsamkeit ohne Worte. Nur meine Gedanken sollen sich im Raum bewegen, ohne die Fesseln der Zeit. Die kalte Luft des Winters will ich dabei spüren. Durchs offene Fenster sollen Schneeflocken wehen. Und dazwischen werde ich hinaus gehen und mir den Sturm ins Gesicht jagen lassen. Ich will sie spüren die Mächte der Natur. Die immer mächtiger als ihre, in ihr, lebenden Helden sein wird. Sie wird alle Ketten einmal sprengen. Und ich schenke ihr meine ganze Kraft des Herzens, um dies zu tun.
Nach zwei Stunden Fußmarsch durch den verschneiten Wald stehe ich vor der Hütte. Die Türklinge ist vereist. Und das Schloss tut sich schwer sich zu bewegen. Nur mit Kraft kann ich es schaffen, die Tür zu öffnen. Ich ziehe sie auf und mit ihr schieb ich den Schnee davor weg. Ein kleiner Eiszapfen fällt vor meine Füße. Ich habe nicht bemerkt, dass er sich am Dach geformt hat. Nun steckte er im Schnee. In der Hütte ist es verdammt kalt. Ich kann mit meinem Atmen ein Bild malen sehen. Aber ich liebe es hier zu sein. Und eine kleine Zuflucht, die sonst keiner kennt, zu besitzen. Nur ein Mensch weiß noch davon. Ein Mensch, den ich tief vertraue und der mich noch nie enttäuscht hat. Meinem guten alten Freund Filies. Ihm erzähle ich all meine Sorgen, und nur ihm erzähle ich auch von Zeleos. Filies hat sich längst von jeglicher Zivilisation zurück gezogen. Nach vielen Jahren schmerzvoller Erfahrung wegen seiner Körperbehinderung, will er nur noch allein sein. "Die Menschen haben nichts gelernt", sagte er damals zu mir. Damals, als wir uns im Wald begegneten und er erschrocken davon humpelte. Doch ich fand ihn wieder. Und er kam meiner Bitte nach, mit ihm reden wollen. Ich wollte wissen, warum ein Mensch sich so verhielt und was er erlebt hatte. Er erzählte mir, von seinem Leben. "Glaubst du, sagte er mit trauriger Stimme, glaubst du, es wird noch vielen Menschen so ergehen, wie mir?" Seine Augen sprachen eine Bitterkeit. "Ich weiß es nicht, Filies. Aber ich hoffe immer noch, die Menschen werden es bald begreifen." " Aber ich habe nie jemanden weh getan. Aber sie haben immer über mich gelacht. Was aber wäre, sie wären selbst so zur Welt gekommen. Sie könnten an meiner Stelle nur humpeln und nur einen Arm benutzen." Wir führten lange Gespräche. Seine Hütte liegt noch einmal eine Stunde entfernt von meiner. Wann immer ich kann, besuche ich ihn. Er ist ein guter Freund. Ich darf nicht daran denken, dass er ja schon so viele Jahre älter ist, als ich es bin .Morgen würde ich ihn besuchen und sehen, wie es ihm ging.
Ich stehe in der Hütte und spüre diese wohltuende Ruhe. Dieses leise Wachen der Natur ringsherum. Hier kann ich in Ruhe über Zeleos nachdenken. Hier habe ich auch genügend Abstand zu einem mich ständig hinziehenden Gefühl, seine Scheune zu betreten. Immer und immer wieder zog es mich fast magisch an, in ihr die Lösung eines Rätsels zu finden. Vom ersten Augenblick an, wusste ich, es würde grausam werden, sollte ich jemals das Verborgene ans Licht holen.
Ich öffne das Fenster kurz, nachdem ich die kleine Gipsfigur davor entfernt habe, die auf Fensterhöhe auf einem kleinem Regal stand. Es ist eine Wolf. Ein Wolf der den Mond anzuheulen scheint. Es schneit und ein paar Flocken können sich in den paar Minuten des geöffneten Fensters in der Hütte ausbreiten. Ich sehe dem Treiben zu. Wie sie sich sanft über das Regal breiten und dann trotz der Kälte langsam ihre Form verlieren. Nachher in der Dunkelheit wollte ich ja sowieso noch einen kurzen Gang zum "Schattenbaum" gehen. Man erzählte sich, er würde des Nachts, wenn der Mond sein Licht auf ihn warf, einen Schatten einer Frau hervortreten lassen, die sich immer wieder auf den gleichen Weg zur Lichtung im Wald machte. Man nannte sie "Die Schattenfrau". Doch mir liegt eher daran, einfach nur an jener Stelle in die Nacht zu blicken. Mit all ihrer Schönheit. Dabei vergesse ich für diese Momente die Zeit und im Winter auch die Kälte.
Zeleos
Ich lief die ungefähr zweihundert Meter Landstrasse zu Zeleos Hof. Immer und immer wieder trieb es mich zu ihm. Ich wollte jedes noch so kleine Teilchen über ihn erfahren. Er stand am Tor vor seiner Scheune und versuchte die weiße Masse ein wenig zur Seite zu schieben. Kleine Gräben bauten sich so an den Rändern des Weges, der sich bis zu seiner Scheune schlängelte. Dahinter lagen Felder. Ich habe von der Landwirtschaft keine große Ahnung, genau genommen gar keine.Ich bewunderte oft dieses harte Leben der Bauern. Zeleos war schon in die Jahre gekommen und es machte ihm Mühe alles zu bewirtschaften. Aber er war zäh und schlug sich wacker gegen sein Alter und die zunehmenden Rückenschmerzen. Griesgrämig war er. Ja, oft sogar schlecht gelaunt. Dann schimpfte und brüllte er immer über den Hof. Sein Hund verkroch sich in seine Hütte und ließ sich lieber gar nicht erst blicken. An vielen Abenden sah ich ihn sitzen, wie er sich betrank. Die Einsamkeit machte ihn schon zu schaffen. Eine Frau fürs Leben fand er nie. Aber früher gab es schon die eine oder andere, die es aber dann auch nicht lange in der Einöde und mit der schweren körperlichen Arbeit aushielt. Ein Kind wurde auch nie gezeugt. Und so blieb ihm nur solange wie es eben ging den Hof zu halten. " Die Hilde war schon eine, die ich mir gut als mein Weib vorstellen konnte. Aber die kam mit dem Vieh nicht gut klar und die fiel auch lieber dem Hannes um den Hals", erzählte er mir, während er den Reifen seines alten Traktor begutachtete. Ich dachte an mich. Ich wäre vielleicht auch davon gelaufen. " Und die Erna, die war so was von verwöhnt, dass sie auch nie einen Finger krümmte. Die ganzen zwei Jahre lang. Die saß lieber vorm Spiegel und bewunderte sich. Ach, irgendwie hat ich halt immer Pech, bis auf meine..." Er zuckte zusammen. Danach sprach er nicht mehr weiter, sondern verschwand unter dem Traktor und versuchte irgend etwas zu reparieren. Peter, der Förster, fuhr mit dem Fahrrad vorbei. "Morgen treffen wir uns im Zanckl. Wir wollen über das letzte gerissene Vieh vom Hans sprechen. Könnt ja kommen! Um 18 Uhr. Wir werden sie schon bekommen, die Bastarde! Und dann Gnade ihnen Gott!" Zeleos rührte sich nicht. Erst als ich ihm bestätigte, dass Peter weg war, kam er hervor. Ich erschrak. Sein Gesicht war kreidebleich und seine Augen geweitet. " Ich geh ins Haus. Lass mich in Ruh!" Seine Tür knallte. Ich konnte nicht in die Scheune, um mich wieder umzusehen, um zu suchen, auch wenn es schon so oft war. Viele Stunden verbrachte ich heimlich hier. Manchmal wurde es brenzlig. Dann konnte ich nicht mehr weglaufen, weil Zeleos schon zu nahe gekommen war. Ich versteckte mich zwischen den Strohballen und schwitzte, denn ich wusste, würde er mich je hier erwischen, würde er furchtbar wütend werden. Und davor hatte ich Angst. Nun aber saß Ben, sein Hund vorm Tor. Ich hatte keine Chance die Abwesenheit von seinem Herrchen zu nutzen. Immer, wenn ich versuchte ihm näher zukommen, knurrte er. Bevor er noch anfangen würde zu bellen, ging ich lieber nach Hause. Das nächste Mal gelang es mir sicher wieder, mich in die Scheune zu schleichen. Außerdem war ich furchtbar müde heut. Die letzte Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich hatte einen furchtbaren Traum von etwas, was mich durch den Wald hetzte. Ich wachte schweißgebadet auf. Alles war nass. Meine Haare klebten an meinen Wangen. Ich wischte mit meiner Hand über die Stirn und bemerkte die pure Angst darauf. Danach konnte ich nur schwer wieder einschlafen, denn ich musste immerfort an den Traum denken. Ich stand auf und ging in die Küche, um mir ein Glas Wasser zu holen. Verträumt sah ich nach draußen und ich erschrak mich furchtbar, als ich vor meinem Haus etwas schleichen sah, was ich von den Umrissen her nicht zuordnen konnte. Es bewegte sich langsam und bedacht. Es war ein großer, ein sehr großer Umriss. Mein Herz klopfte so schnell, dass ich dachte, es würde jeden Moment zerplatzen. Der Umriss kam näher, und ich stand wie angewurzelt vor dem Fenster. Meine Glieder waren nicht imstande sich auch nur einen Zentimeter fortzubewegen. Irgendwie begriff ich es auch gar nicht richtig. Alles in mir war starr. Nur der Schweiß lief an meinen Wangen hinunter. Ein Tropfen landete auf meinen Lippen. Obwohl ich meinen Mund nicht öffnete, schmeckte ich das Salz darin. Ich hatte Angst. Angst vor dem, was da draußen lauerte. Nur nicht bewegen, dachte ich. Nur nicht bewegen. Sonst würde es mich vielleicht noch entdecken. Ein Knall brachte mich der Ohnmacht nahe. Ich hatte den Toaster vergessen. Ich wollte doch noch ein Toast essen und nun war es hochgeschnellt zwischen den Gittern, fertig gebräunt. Stufe zwei. Im Schreck drehte ich mich um. Als ich mit angstgeweiteten Augen wieder nach draußen in die Dunkelheit sah, war diese Gestalt nicht mehr da. Ich zitterte. Jetzt erst bemerkte ich ein winziges Licht da draußen im Wald. Die letzten Stunden der Nacht wälzte ich mich in meinem Bett. Ich fand keine Ruhe mehr. Filies fiel mir ein. Ich musste ihm unbedingt davon erzählen. | | | | | | Filies Die Winter hier im einsamen Wald waren kälter als im Dorf. Aber sie waren auch schöner. Kein Lärm durchbrach die wunderbare Schneewelt mit ihren Spuren der Tiere. Manchmal war es so still, dass ich es hörte, wie Schnee von den Tannen rutschte. Ich setzte meine Spuren in den Schnee und vernahm die Stille in der Umgebung. Tief atmete ich die reine Luft ein, schloss die Augen und warf mein Haar mit meinen feuchten, gefrorenen Baumwollhandschuhen nach hinten. Ein wenig waren sie vereist an den Seiten und manche Haarspitzen meines langen, dunkles Haars trugen das Weiss des Schnees.Ich hatte bewusst auf eine Uhr verzichtet. Ich liess sie in meinem Haus. Heute wollte ich Filies besuchen.Und heute wollte ich auch zuallererst zu ihm. Danach erst würde ich meine Nacht in meiner Hütte verbringen. Der Weg war nicht sichtbar. Ich bemerkte plötzlich andere Spuren vor mir. Sie müssten noch ganz frisch sein, denn normalerweise verweht der Wind sie. Waren es Stiefelabdrücke? Ja, wahrscheinlich. Filies? War er kurz vor mir hier? Nein, überlegte ich. Er war nie ohne Muns seinem Hund unterwegs. Und Hundespuren fand ich nicht. Wer hatte sich in diese Tiefe des Waldes mitten im Winter verlaufen? Der Förster? Das war eine Möglichkeit. Doch je weiter ich meinen Weg lief um so merkwürdiger kam es mir vor. Es war ganz genau mein Weg, den ich stets ging. Kein Waldweg, der ausgezeichnet war durch Schilder. Mein Weg führte durch dunkle, vereinsamte Stellen. Wer also, ausser Filies sollte ihn kennen? Ein leichter Schauer durchfuhr mich. War etwa....Sollte etwa Muns gestorben sein und mein treuer Freund war allein unterwegs? Letzte Woche war der Mischlingshund mit seinen zwei weissen Flecken an den Ohren noch herumgetobt. Sicher, er war schon alt, doch er schien vollkommen gesund.Für Filies jedenfalls war er ein guter, treuer Freund. Der ihm ein wenig Freude zurückgab.
Nachdenkend, wer wohl meinen Weg kannte, lief ich etwas schneller. Mir wurde etwas weh ums Herz, denn ich mochte Muns sehr. Vor Filies Hütte angekommen, klopfte ich wie gewohnt an das kleine Fenster, was bis zur Hälfte zugeschneit war. Ich sah hindurch. Die kleine Öllampe brannte, aber Filies schien nicht drinnen zu sein.Muns war auch nicht da. Der wär schon längst an der Tür gewesen, so wie er mich immer begrüsste,wenn er in der Hütte sein durfte. Im Winter war er meist mit im Warmen bei seinem Herrchen.Kleine Kunststückchen konnte er auch. So holte er oft Filies Pfeife vom Tisch und brachte sie ihm, wenn er in seinem uralten Schaukelstuhl sass und dabei mit seinem Hund redete. Muns wusste immer, wann es Zeit war fürs Pfeifenholen.Dann nämlich, wenn der alte Mann leiser wurde und zu schweigen begann. Ja, es war ein schönes, friedliches Bild, was sich mir dann bot.Meinen Filies möchte ich nie wieder missen, wenn gleich ich wusste, einmal wird er gehen. Für immer. Das machte mir keine Angst, aber es brachte Trauer. Ich ging vom Fenster zur Tür und versuchte sie zu öffnen. Und tatsächlich...sie war nicht abgeschlossen. Ein banges Gefühl traf mich. Filies schloss immer die Tür ab, wenn er in den Wald ging. Ich trat ein. Ein süsslicher Duft lag in der Hütte. Wahrscheinlich hatte er getrocknete Äpfel aufs Feuer im Kamin gelegt.Ein angenehmer Geruch. Ich wartete. Setzte mich in seinen Schaukelstuhl und dachte darüber nach, wo er wohl sein könnte. Es wurde dunkel und er kam nicht nach Haus. Genau wusste ich nicht, wie spät es war als ich loslief, um ihn zu suchen.Aber es war stockfinster. Und nur mit meiner alten Taschenlampe ausgerüstet lief ich los. Irgend etwas stimmte nicht. Irgend etwas musste passiert sein.Voller Sorge um die beiden lief ich zu allererst zum See nicht weit hinter der Hütte. Ringsrum waren Bäume und Sträucher. Der See war zugefroren. Die kalte Winterluft zerschnitt meinen Atem. Ich fror. Ich rief nach Filies und Muns. Aber ich bekam keine Antwort.Etwas Aussergewöhnliches konnte ich auch nicht entdecken. Um den See schlängelte sich ein Weg. Wenn man ihn ganz in seiner vollen Strecke ging, war man ungefähr eine Stunde unterwegs.Kein grosser See, aber dafür ein wunderschöner. Im Sommer ging ich hier oft schwimmen und im Winter rannte ich mit Muns auf dem Eis herum. Soweit das ging.Nicht immer gelang es dem Hund seine Standhaftigkeit zu halten. Dann landete er auf seinem Hinterteil.Aber das kam eher selten vor. Ich glaube dafür lag ich oft auf dem Eis und manch blaue Flecken nahm ich mit nach Hause. Ich hatte den See fast vollkommen umrundet, als ich plötzlich ein Knurren auf der linken Seite neben mir vernahm. Muns?, rief ich. Muns? Filies...seit ihr das? Ich bekam keine Antwort. Es raschelte. Zweige schlugen gegeneinander. Ich hörte ein Hecheln und einen Knacks, der wohl aus dem Unterholz kommen musste. Ich lief weiter.Meine Schritte wurden schneller und schneller. Warum nur fürchtete ich mich nun? Es machte mir doch sonst nichts im Dunkeln durch den Wald zu laufen. Wie albern schallt ich mich selber. Wahrscheinlich war das irgendein Tier, was sich durch die Nacht schlug. Müdigkeit spürte ich. Aber Filies zu finden war mir wichtiger. Die Kälte kroch unter meinen Mantel.Ich spürte einen leichten Schmerz an meinen Ohren und meine Hände ballten sich in meinen Manteltaschen.Wo konnte er nur sein? Was war geschehen? Vielleicht war er ja auch mittlerweile wieder in seiner Hütte und streckte seine Glieder in der molligen Wärme aus. Vielleicht war er auch schon eingeschlafen und Muns wachte vor seinen Füssen. Sollte ich zurückkehren oder weiter suchen? Ich beschloss vorerst zur Hütte zu laufen, dann hatte ich die Gewissheit. Wie sehr hoffte ich, ich hätte sie.
Den See hatte ich schnell ganz umrundet. Meine Schuhe waren vereist. Und allmählich zog sich die Kälte auch durch meine Füsse, dadurch lief ich noch etwas schneller. Es fing stärker zu schneien an und ich spürte, wie die Flocken mir ins Gesicht wehten. Als der Waldweg sich noch ein letztes Mal vor mir bog, bevor ich die Hütte sehen konnte, schlug mein Herz schneller und mir kam es so vor, als ob ich rennen würde. Endlich...endlich sah ich sie. Und es brannte Licht. Wie war ich erleichtert, wie war ich froh. Filies war zu Hause und gleich würde mich Muns heftig begrüssen. Ich drückte die Klinke nach unten und riss die Tür etwas zu heftig auf und stürzte in die Hütte. Nein, Filies war nicht da. Muns war nicht da und ich stand wie von Sinnen und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Alle Hoffnung war weg. Unmöglich, dass ich das Licht angelassen hatte, ging es mir durch den Kopf. Aber es war möglich, dass Filies kurz hier war und wieder nach draussen ging. Doch warum? Warum sollte er sich so merkwürdig verhalten? Erschöpft setzte ich mich in Filies Schaukelstuhl und sah in die noch vorhandene Glut im Kamin und schlief ein. Ein Klirren weckte mich am nächsten Morgen. Das Fenster schlug immer wieder gegen die Seite.Sonnenstrahlen fielen auf den Boden. Ich erschrak. Ich war immer noch allein. Sie waren nicht zurückgekommen. Hastig stand ich auf, steckte mir noch einen Apfel in die Tasche und begab mich auf den Weg, um nochmals nach den beiden zu suchen. Diesmal lief ich zuerst zu meiner Hütte. Ich wollte mir etwas mehr Vorrat einpacken und mich dann auf die Suche begeben. Mein Magen knurrte und herzhaft biss ich in den Apfel.Meine Hütte hatte ich schnell erreicht. Wie immer war sie verschneit, so dass ich kaum die Tier öffnen konnte. Die Nacht brachte reichlich neues Weiss.In Gedanken machte ich all die Bewegungen, die ich immer tat. Ich suchte den Griff der Tür und versuchte die Tür zu öffnen. Sollte es irgendwann mal gar nicht gehen, so hatte ich auch noch einen kleinen Schneeschieber. Aber ich schaffte es auch diesmal so, drückte die Klinke nach unten und zog die Tür auf. Filies lag auf meiner kleinen Pritsche und Muns lag zu seinen Füssen. Mir schossen die Tränen aus den Augen und ich stürzte zu Filies und umarmte ihn. Muns leckte meine Wange und winselte leise. Ich drückte ihn an mich. Filies wurde wach und sagte: "Ich dachte wir könnten dich auch einmal überraschen und ein kleiner Besuch war längst fällig. Aber warum weinst du denn? Was ist denn passiert? Und warum überfällst du mich so? Geht es dir nicht gut?" Ich schluchzte:" Bitte jag mir nicht noch einmal so einen Schrecken ein." " Aber freust du dich denn nicht?" " Oh, Filies...ich hab euch die ganze Nacht gesucht. Ich dachte dir oder Muns wäre was passiert.Und dann diese seltsamen Spuren auf meinem Weg zu dir...Oh, wie hab ich euch vermisst. Die Tür war nicht abgeschlossen, Filies! " " Mein Kind, aber ich weiss genau, dass ich sie abschloss. Ich habe sogar noch einmal nachgeschaut. Nicht wahr, Muns..." Muns bellte kurz. "Filies! Die Tür war nicht abgeschlossen. Was hat das zu bedeuten?" Irgendwas stimmte da nicht, ging es mir durch den Kopf. Dann musste jemand nach Filies und vor mir in der Hütte gewesen sein. Was ging hier vor? Doch meine Freude über die Anwesenheit meiner Freunde vertrieb vorerst diese Gedanken und ich bereitet ein Frühstück mit einem kräftigem Kaffee und Muns bekam einen besonders grossen Knochen. Während wir uns stärkten erzählte ich ganz genau was ich vermutete, was ich sah und was ich hörte. Filies schien sehr beunruhigt, als ich ihm schilderte, wie ich den See umrundete. " Bitte geh nicht noch einmal allein in der Nacht diesen Weg! Hörst du! Ich möchte, dass du mir dein Versprechen darauf gibst!" Bitterernst sah er mich an. Noch nie vorher hatte ich ihn so gesehen. Sorgenfalten standen auf seiner Stirn und er schien mir etwas bleich. " Warum nicht, Filies? Wir sind doch immer allein überall hingegangen. Was hast du denn auf einmal? " "Nichts! Bitte gib mir dein Versprechen!" " Dann sag mir erst, warum du mein Versprechen möchtest. Ich versteh dich nicht." Fragend sah ich in sein Gesicht. Ich konnte mir beim besten Willen nicht erklären, warum er auf einmal so merkwürdig war. " Einmal bitte ich dich um etwas, mein Kind. Nur einmal und das, weil ich mich um dich Sorge. Bitte! Bitte, versprich es mir. Ich weiss, warum ich es sage. Vertrau mir! Bitte!" Ich spürte, dass er mir nicht verraten würde, warum er dies Versprechen von mir wollte, aber ich spürte seine Sorge und Angst um mich. Darum gab ich es ihm. Doch nun war ich noch mehr beunruhigt. Nach dem Frühstück liefen wir lange durch den Wald. Nichts war ungewöhnlich. Alles schien friedlich und sanft. Muns jagte durch den Schnee und fing ab und an meine kleinen Schneebälle auf. Nun berichtete ich von Zeleos. Gespannt hörte mir mein alter Freund zu. Und dann erzählte ich ihm von meiner letzten Nacht und meinem Traum. Und sein Gesicht veränderte sich und er schwieg, bevor er tief Luft holte und sagte: "Ich muss darüber nachdenken. Bitte hab Geduld für meine Antwort." Das war nichts Aussergewöhnliches. So manches Mal nahmen wir eine Frage mit für ein paar Tage oder auch länger, so nickte ich und schwieg nun ebenfalls.So verging die Zeit und Filies bestand darauf mich zuerst zu meiner Hütte zurückzubringen, bevor er in seine ging. Da half kein Protest. Filies war genauso ein Dickkopf wie ich es sein konnte. Ich lachte und gab nach. Lange stand ich noch an meiner Tür und sah den beiden nach. Was für ein Glück, dachte ich. Was für ein Glück, dass ich ihn damals im Wald traf. Die Kerzen zauberten ein warmes Licht und ich sah zum Mond. Sternklare Nacht. Noch lange blickte ich hinaus, bevor ich mich zur Ruhe begab. 2001 |
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