
Laternenmann
Wie jede Nacht lief er durch die enge Gasse und rief seine Katze. Er hatte eine rauhe Stimme und sie machte Angst. In ihr lag ein Donner, etwas Furchtbares. Sein Gesicht war zerrissen von Narben. Die Hände wund und mit Warzen übersät. Und er rief immer und immer wieder:" Wo ist das Luder? Wo ist das Kätzchen? ... Miez Miez ...komm das Futterlie wartet auf dich!" Dabei humpelte er und spukte vor jede Haustür, an der
er vorbeilief.
Keiner traute sich dann auf die Straße, wenn der Laternenmann unterwegs war, um dieses Viech zu suchen.Insgeheim wünschten sich alle, er würde bald sterben. Lieber heute als gestern. Einmal verirrte sich ein Fremder in die Gasse. Der Laternenmann sah ihn und schrie: "Komm her ich will dich fressen!" Er lachte dabei ganz schauerlich. Der Fremde erschrak und rannte davon.
Es machte die Leute furchtbar wütend, denn keiner wollte mehr durch ihre Gasse laufen. Alle mieden sie.
Doch eines Abends verlief sich ein kleines Kind."Mama-Mama"- rief es immer wieder und weinte. Alle hörten es, doch keiner traute sich auf die Straße. Viele schauten aus dem Fenster und schrien:"Geh schnell nach Hause- gleich kommt der Laternenmann!"
Und er kam. Jetzt geschieht etwas Furchtbares, dachten sie.
Am nächsten Morgen sahen sie ihn sitzen unter einer Laterne. Neben ihm das Kind-eingehüllt in eine Decke. Sein Arm lag schützend um das Kind, denn die Nächte waren hier kalt. Er aber brauchte keine Wärme mehr, denn sein Licht war erloschen. Selbst seine Katze war da, um dem Laternenmann Lebewohl zu sagen.
Und alle sagten später:"Wir wußten ja, der Laternenmann war ein guter Kerl!"