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Der Weise

"Nur einmal- sagte der junge Mann- nur einmal möchte ich die Liebe- die wahre Liebe - finden. Ich will sie finden und zu mir nehmen und sie behalten, so wahr ich hier stehe und euch meine Brüder und Schwestern somit mein Versprechen gebe, dass ihr sie sehen werdet."

Sie alle waren versammelt auf dem Marktplatz und hörten dem Jungen zu, der sich auf einen Holzstumpf gestellt hatte. Sein Blick war eitel und kalt. Nun sprang er hinab und ging voller Stolz an ihnen vorüber.

"Halt, so warte doch!", sagte ein alter Mann, der sich verborgen gehalten hatte und nun sprach, aber sein Gesicht verbarg."Weisst du denn überhaupt was sie ist, die wahre Liebe? Wie willst du sie finden, wenn Du es nicht weisst?"
Der junge Mann aber lächelte nur und schritt hinfort Richtung des Waldes. Irgendwo, so dachte er, werde ich sie finden und sie wird mein sein.

Der alte Mann schüttelte mit dem Kopf und fuhr sich durch seinen langen, weissen Bart. "Halt, warte, ich will Dir sagen wo Du suchen musst!"
Der junge Mann blieb stehen und drehte sich um.

Und der Alte sagte:"Du wirst sie niemals finden- sie kann niemanden allein gehören! Denn nur in allem und jeden ist sie zu Hause und nie wird sie sich zeigen, wenn man sie besitzen will! Höre in dich und sage mir mein Sohn, was fühlst du? Fühlst du den Schmerz oder fühlst du Zorn oder gar Hass?"

Der junge Mann sah den Alten an und lachte ihn aus. " Du törichter, alter Mann! Was kannst du mir schon berichten? Sieh dich an! Wie schaust du aus in deinen Lumpen und deinen hässlichen, alten Krücken! Ich werde dir beweisen, dass du Unrecht hast und dummes Zeug schwätzt! Jeder ist seines Glückes Schmied- und es gibt nur eine wahre Liebe und die ist mein!"

Der Alte liess ihn ziehen und wusste doch zugleich, dass er niemals zurückkehren würde, denn nie würde er diese Liebe finden. Verblendet und voller Gier ist noch sein Herz, dachte der Alte. Und so lange er nicht sehen würde, dass er selbst die Liebe von sich stößt wird er nicht sehen, dass man sie nicht suchen muss.

 2001

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